14. April 2021

Biodiversität: Kleine Veränderungen schaffen viele neue Lebensräume auf Friedhöfen und in Gärten

Klimaschutzexperten und -expertinnen laden zum Bildungsurlaub ein.

Friedhöfe sind Oasen für Pflanzen und Tiere, denn die Freiflächen bieten vor allem in Verbindung mit alten Baumbeständen wichtige Rückzugsräume für viele Arten. Damit leisten Friedhöfe per se einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Um die Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen zu erhalten und noch gezielter zu fördern, unterstützt das Arbeitsfeld Umwelt- und Klimaschutz im Haus kirchlicher Dienste (HkD) die Arbeit interessierter Gemeinden und deren Mitglieder. Denn die Vorstellung von dem, was eine schöne Grünfläche ist, wandelt sich. Schottergärten und
-gräber sind out, englischer Rasen ist auf dem Rückzug. Mit Veranstaltungen und Bildungsurlauben sprechen die Verantwortlichen Berufliche an, die mit dieser Thematik befasst sind. Darüber hinaus sind aber auch jene willkommen, die beruflich oder ehrenamtlich neu in das Thema einsteigen wollen. Der nächste Bildungsurlaub findet – unter den dann aktuellen Corona-Vorgaben – vom 12. bis 16. Juli 2021 in der Heimvolksschule Hustedt statt und zeigt in einem Mix aus Hintergrundinformationen, Diskussionen und Exkursionen, worauf es für naturnahe Schönheiten auf Friedhöfen und in Gärten ankommt. Stauden-, Insekten- und Vogelexperten und -expertinnen stellen ihre Erfahrungen zur Verfügung, während Gärten und Friedhöfe gelungene Praxis demonstrieren.

Weitere Informationen zum Bildungsurlaub gibt es bei Gabi Gust per E-Mail unter gust@kirchliche-dienste.de.

Fotocredit: Malcolm Chamberlain
Libellen überwintern in naturbelassenen Teichen an und in wintergrünen Pflanzen, deshalb ist es wichtig, nicht in den Kreislauf der Natur einzugreifen.

Winterquartier für Schmetterling und Co.

Nicht nur die Natur, auch der Rasenmäher, die Gartenschere und die Harke haben in den Wintermonaten Ruhe verdient. Immer mehr Kirchengemeinden beherzigen die Ratschläge der Klimaschützer und -schützerinnen, lassen das Laub im Herbst einfach mal liegen und reinigen nur die Wege. Schließlich finden im Falllaub viele Tiere Unterschlupf für den Winter – und auch eine weitere Nahrungsquelle. Zum Beispiel der Marienkäfer, der sich tief in den Laubhaufen sowie unter Polsterstauden und Bodendeckern eingräbt oder in Totholz krabbelt und erst im Frühling wieder erwacht. Um die kalte Jahreszeit zu überstehen, haben Insekten verschiedenste Strategien entwickelt. So hängt der Zitronenfalter im Winter an Efeu-, Brombeer- oder Ilex-blättern. Auch hohes Gras ist für den Schmetterling ein perfekter Überwinterungsplatz.

Futter für Wildbienen und Käfer

Weil das Blütenangebot besonders im Winter rar ist, empfiehlt es sich, im Garten früh blühende Gehölze zu pflanzen sowie Stauden und Zwiebelblumen in die Gartengestaltung zu integrieren. Der Krokus reckt seine bunten Köpfchen schon im Februar in die Wintersonne; Narzissen, Wildtulpe und Zierlauch blühen vom März bis in den Mai hinein. Mit der richtigen Wahl an wintergrünen Arten und stehen gebliebenen Blütenstängeln mit Samenansätzen ist der Tisch für Wildbienen, Käfer und weitere Insekten also das ganze Jahr über reich gedeckt.

Geschützte Orte für Libellen

Eine optimale Überwinterungsstätte für Larven und Eier sind naturbelassene Teiche, die idealerweise mindestens einen Meter tief und von vielen Pflanzen umrandet sind. Die Libelle überwintert hier als Ei oder Larve in einer Winterstarre und nutzt die Pflanzenstängel zum Ende der Larvenzeit, um daran emporzuklettern und zu schlüpfen. Die Mosaikjungfer legt ihre Eier in faulendes Pflanzenmaterial am Ufer. Daraus schlüpfen im Frühjahr die Larven. Diese überwintern anschließend noch einmal, um dann im dritten Jahr als erwachsenes Tier zu erscheinen. Auch andere Arten können an naturnah angelegten Teichen mehrere Jahre im Larvenstadium überstehen.

von Tanja Piepho

Artikel teilen:

Ähnliche Artikel