15. April 2021

Beerdigungen in Corona-Zeiten:
Trauern ist einsamer als sonst

Wegen der Abstandsregeln dürfen in der Kirche nur die engsten Familienangehörigen Abschied nehmen

Corona hat unser Leben, aber auch die Bestattungen vollkommen verändert. Pastorin Christiane Meyer aus der Kirchengemeinde Seggebruch im Landkreis Schaumburg bedauert vor allem, dass Angehörige Verstorbener mit ihrer Trauer oftmals allein bleiben.

Beerdigung wegen Corona nur im kleinen Kreis

Dass die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung Handel, Gastronomie und die Kulturbranche beuteln, davon lesen wir tagtäglich in den Medien. Dass die Beerdigungen mit stark begrenzter Besucherzahl auch die Kirchen beeinflussen, kommt vor allem jenen in den Sinn, die selbst betroffen sind. Und das in Zeiten, in denen täglich so viele Menschen sterben wie selten zuvor in jüngerer Zeit. „Für gewöhnlich sind die Trauergottesdienste bei uns auf dem Land besser besucht als die Sonntagsgottesdienste, denn hier kennt schließlich jeder jeden“, sagt die Pastorin. Momentan sind es in Seggebruch gerade einmal 30 Leute, die an einer Beisetzung in der kleinen Kirche teilnehmen dürfen. Mehr passen nicht in die Kapelle, um den nötigen Abstand einzuhalten. Weitere knapp zwei Dutzend Trauergäste können den Trauergottesdienst draußen vor der Kirche über Lautsprecher verfolgen. Dennoch, so die Pastorin, kämen die Familien zumeist nur im allerkleinsten Kreis von gerade einmal acht oder zehn Menschen. Zum einen, um aus dem Freundes- und Bekanntenkreis niemanden ausschließen zu müssen, zum anderen auch aus Angst, sich in Gesellschaft mit dem Virus anzustecken

Tröstende Berührungen fehlen

Doch ganz gleich, wie viele Menschen zur Trauerfeier erwartet werden: In Seggebruch wird jeder Trauergottesdienst so würdevoll wie eben möglich gestaltet. Das Singen ist nicht erlaubt, der Organist begleitet aber jede Zeremonie mit stimmungsvollen Stücken. „Trotzdem macht Trauer zu Corona-Zeiten einsam, denn geweint wird hinter der Maske, und die Berührung fehlt“, sagt Christiane Meyer. Nichts gibt am Grab eines nahestehenden Menschen mehr Trost als eine Umarmung. Wer in der Trauer förmlich neben sich steht, brauche Ansprache und eine Hand, die den Trauernden oder die Trauernde in der schwierigen Situation hält. „Ich gebe Hinterbliebenen den Rat, sich in der Zeit nach der Beisetzung gegenseitig anzurufen, sich zu schreiben und auszutauschen“, erzählt die Pastorin der kleinen Gemeinde. Denn Beileidsbekundungen bei der Beerdigung sind nicht gestattet. Ebenso wie der sogenannte Trauerkaffee, bei dem man im Anschluss an die Beisetzung zusammensitzt, an den Verstorbenen oder die Verstorbene erinnert, sich Geschichten über vergangene Zeiten erzählt.

Fotocredit: Christiane Meyer

Pastorin Christiane Meyer bedauert, dass Menschen in ihrer Trauer während der Pandemie allein bleiben.

Gemeinschaft mit Abstand und Maske

Doch trotz der vielen Widrigkeiten kann die Pastorin der Krise Positives abgewinnen. „Die Pandemie bringt auch viele neue Ansätze hervor, denn je weniger Kontakte wir haben, desto stärker wächst unsere Sehnsucht nach Menschen“, resümiert Christiane Meyer. So hätten sich junge Frauen aus der Kirchengemeinde zusammengetan und bunte Blumensträuße gebunden, um anschließend älteren Dorfbewohnern eine Freude zu machen. „Wir predigen im Evangelium, dass wir Menschen zusammenführen. Und so leben wir Gemeinschaft auch in dieser schweren Zeit – wenn es sein muss, eben mit Abstand und Maske“, sagt die Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde im Schaumburger Land.

von Tanja Piepho

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