12. April 2021

Ausbildung während Corona:
Drei junge Erwachsene berichten

Der Lockdown schränkt auch das Leben und die Ausbildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen stark ein. Die Auszubildende zur Erzieherin Christina Zitzer, die Studentin Philippa Heldt und der Abiturient Luis Beimfohr sprechen über Ängste und Mutmacher in der Corona-Pandemie.

„Inhaltlich geht viel verloren“

Christina Zitzer sorgt sich um die praktische Erfahrung in ihrer Ausbildung während des Lockdowns

Die 19-Jährige absolviert eine Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin und ist im ersten Lehrjahr. Seit sieben Jahren arbeitet sie außerdem als Teamerin bei der Markuskirchengemeinde Sögel.

„Eine Ausbildung in einem sozialen Beruf ohne Praxisphasen zu absolvieren ist sehr schwierig. Anfangs war ich noch motiviert und habe mir Bücher zum Durcharbeiten besorgt, aber mittlerweile ist das Frustlevel doch sehr hoch. Wie sollen wir Auszubildenden beispielsweise üben, Kindern ein Buch zu vermitteln, wenn die Lehrer immer wieder sagen: ,Ich würde euch das jetzt gern zeigen und mit euch üben – aber das müssen wir dann irgendwann in Präsenz nachholen.‘ Oder bei der musikalischen Bildung: Da sitzt dann die Lehrerin vor der Kamera und spielt Blockflöte – aber steht man dann wirklich auf und tanzt allein im Zimmer oder singt? Das fühlt sich sehr albern an. Und bei der Bewegungserziehung wird oft ein Mattenwagen benötigt, solche Spiele können wir allein zu Hause nicht proben. Deswegen habe ich oft auch keine Lust aufzustehen, um dann nur auf drei Mails mit Material zu warten.

ChristinaZitzer-Azubi.jpg // Fotocredit: privat

Christina Zitzer kann viele Inhalte ihrer Ausbildung aktuell nur in der Theorie lernen.

Stattdessen habe ich mittlerweile die Schubladen voller Kulleraugen und Filzpapier. Wir mussten alles Bastelmaterial selbst anschaffen, was die Kosten für die Ausbildung in die Höhe treibt. Meine Mutter beschwerte sich erst kürzlich, dass ich schon einen ganzen Sack Kartoffeln verbraucht habe – für Kartoffeldruck.

Corona hat für uns sehr viele Nachteile: Inhaltlich geht viel verloren, wir müssen die Klassenarbeiten später am Stück nachholen, manche Auszubildenden aus der Klasse bleiben während der Konferenzen einfach im Bett liegen und teilen uns im Chat mit, dass sie keine Lust haben – das zieht einen runter.

Dazu kommt der Streit darüber, ob wir uns impfen lassen sollten. Als Erzieherinnen und Erzieher haben wir ein Impfangebot bekommen. Aber manche in der Klasse vertreten die Einstellung, wir würden mit unserer Impfung schwächeren Mitgliedern der Gesellschaft die Dosis wegnehmen, und kritisieren uns dafür.

Viele von uns Schülerinnen und Schüler haben Angst, sitzen zu bleiben, weil wir unsere Praxisstunden in der Kita nicht zusammenbekommen. Aber was sollen wir tun, wenn diese geschlossen sind? Manche Kitas geben ihren Azubis die Aufgabe, zu Hause etwas zu basteln, andere Auszubildende kümmern sich um zwei oder drei Kindern in der Notbetreuung – aber das betrifft nicht alle. Noch haben wir die Hoffnung, dass wir ein paar Stunden in den Sommerferien nachholen können, aber wegen der Schließzeiten sind viele Kitas in der Zeit ja ebenfalls zu. Wenn wir die Stundenzahl nicht schaffen, werden wir das Jahr wiederholen müssen – egal, wie gut die Noten sind.

Was mir hilft, den Kopf aufrecht zu halten, ist – neben meiner Familie –, dass ich Ausbildungsinhalte schon aus der Schule oder von der Juleica her kenne wie beispielsweise rechtliche Grundlagen in der Jugendarbeit. Generell unterstützt die Kirche Hilfe suchende Menschen! Egal, ob es dabei um schlechte Noten oder andere Probleme geht, die Kirche fängt einen auf. Dort arbeiten Menschen ohne Vorbehalte, denen es egal ist, wenn die oder der Hilfesuchende keine Modelmaße hat. Jede und jeder wird miteinbezogen und kann sich einbringen. Die Kirche hat mich immer aufgefangen. Deswegen bin ich seit meiner Konfirmation vor sieben Jahren als Teamerin dabei. Im Sommer soll ich das erste Mal bei einer Freizeit eine Juleica-Schulung mit leiten – ich hoffe sehr, dass das klappt.“

Studieren am Rechner

Philippa Heldt erlebt beinahe ihr komplettes Studium zu Hause

PhilippaHeldt-2.PNG // Fotocredit: privat
Vorlesungen am Rechner: Ihr Studium hatte sich Philippa Heldt anders vorgestellt.

Die 20-Jährige ist Studentin der Verwaltungswissenschaft im dritten Semester. Sie lebt in Osnabrück, hat dort ein WG-Zimmer, wohnt aber zum Teil auch bei ihren Eltern in Meppen. Neben dem Studium ist sie Teamerin der Bethlehemgemeinde Meppen und im Kirchenkreis-Jugendvorstand.

„Nur mein erstes Semester war ein reguläres, das zweite fand nach einer Woche schon nur noch rein online statt – ebenso das dritte und voraussichtlich auch das vierte und fünfte. Im sechsten schreibt man die Bachelorarbeit, das ist ohnehin mit weniger Präsenz verbunden. Dadurch fehlt mir fast komplett dieses typische Studi-Leben, worauf sich jeder freut. Diese Zeit zeichnet ja eigentlich aus, dass man viele neue Leute kennenlernt – doch das geht jetzt kaum. Auch das Studieren finde ich anstrengender: Man sitzt immerzu vor dem Rechner und kann nicht so einfach Fragen stellen wie in einer Vorlesung: Wenn man im Hörsaal sitzt und kurz nicht aufpasst, kann man den Nachbarn fragen, was man verpasst hat

Besonders am Ende des zweiten Semesters war es für mich eine schlimme Situation; da fehlte beim Lernen für die Klausuren sehr der Ausgleich. Ich habe dann angefangen, viel mit Freunden zu telefonieren. Im dritten Semester habe ich dann auch mit einigen Kommilitoninnen und Kommilitonen über Zoom gelernt.

Mit der Evangelischen Jugend haben wir trotz allem ein buntes Sommerprogramm auf die Beine gestellt. Insgesamt waren das bestimmt circa 30 Aktionen wie Ausflüge in verschiedene Städte, eine Stadtrallye, die man zu zweit ablaufen konnte, oder digitale Spieleabende. Das ist insgesamt gut angekommen und hat Freude gemacht, daraus konnte man Kraft schöpfen.

Im Nachhinein denkt man natürlich: ,Hätte ich das erste Semester doch noch mehr genutzt, noch mehr ausprobiert‘ – aber man muss ja auch erst mal ankommen und ist vielleicht noch strenger mit sich als später, wenn man weiß, wie der Hase läuft. Ich denke, ich habe noch Glück, dass wenigstens mein erstes Semester normal verlief. Diejenigen, die mitten in Corona angefangen haben, haben es sicherlich schwerer.“

Improvisation statt klarer Abläufe

Was Luis Beimfohr und seine Mitschülerinnen und Mitschüler nach dem Abi zuerst machen, ist ungewiss

Luis Beimfohr ist 19 Jahre alt und Abiturient aus Burgwedel. In seiner Freizeit ist er Teamer bei St. Petri Burgwedel und Mitglied der Landesjugendkammer.

„Man entwickelt ein Denken in Plan A und Plan B. Ich möchte nach dem Abi längere Zeit nach Südamerika gehen – ich habe einen Freund in Peru, mit dem ich herumreisen will. Falls das Corona nicht zulässt, werde ich wahrscheinlich erst mal anfangen zu studieren und die Reise hoffentlich später nachholen. Viele meiner Freundinnen und Freunde wollen studieren, aber sie wissen nicht, ob es sich lohnt auszuziehen, in eine fremde Stadt, wenn man dort auch nur allein ist und vor dem Computer lernt. Das eigentlich Spannende dabei, das Aufbrechen, das Losziehen und Dabei-Neues-Entdecken, das sehen sie noch nicht.

Beimfohr, Luis quer.jpg // Fotocredit: privat
Verliert trotz zeitweiliger Antriebslosigkeit durch Corona nicht den Mut: Luis Beimfohr.

Jetzt stehen aber erst mal die Prüfungen an. Die finden ganz normal in der Aula statt, wo die Tische weit auseinanderstehen und immer wieder gelüftet wird. Das ist okay, nur die Vorbereitungszeit war durch den Wechselunterricht etwas knapper. Aber der Stoff wurde gekürzt, und angepasst und da das Vor-Abi gut funktioniert hat – was auch die Lehrerinnen und Lehrer sagen –, fühlen wir uns ganz gut vorbereitet.

Aber das ganze Drumherum, was es so besonders macht, fehlt natürlich: der Abiball, die Feier und so weiter. Wir mussten die Location wieder kündigen und schauen jetzt spontan, wie ein Jahrgangstreffen nach den Prüfungen noch möglich ist. Wir versuchen es, man arrangiert sich irgendwie, aber es ist nicht wie sonst.

Jetzt stehen aber erst mal die Prüfungen an. Die finden ganz normal in der Aula statt, wo die Tische weit auseinanderstehen und immer wieder gelüftet wird. Das ist okay, nur die Vorbereitungszeit war durch den Wechselunterricht etwas knapper. Aber der Stoff wurde gekürzt, und angepasst und da das Vor-Abi gut funktioniert hat – was auch die Lehrerinnen und Lehrer sagen –, fühlen wir uns ganz gut vorbereitet.

Aber das ganze Drumherum, was es so besonders macht, fehlt natürlich: der Abiball, die Feier und so weiter. Wir mussten die Location wieder kündigen und schauen jetzt spontan, wie ein Jahrgangstreffen nach den Prüfungen noch möglich ist. Wir versuchen es, man arrangiert sich irgendwie, aber es ist nicht wie sonst.

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